

Ernst Deutsch Theater
Die Glasmenagerie
20.9.2011 bis 10.11.2011
Misery
Wiederholungstournee
10. 10. bis 15. 11. 2011
Ohnsorg-Theater, Hamburg
Brand-Stiftung
20.11.2011 bis 15.1.2012
Familie Malente, Hamburg
99 Luftballons
15. 2. bis 20.3.2012
Nordtour Theater Medien, Hamburg
Charleys Tante
1.3. 2012 bis 20.4.2012
Theater am Kirchplatz Schaan, Liechtenstein
Wiederholungstournee
Minetti
10.2. bis 03.3. 2012
Das Opernloft, Hamburg
Tourangebote
Jasper Vogts Hafenmusikanten
Tourneezeitraum: Ganzjährig, nach Absprache
download des Kataloges als pdf
Information / Buchung:
Tel.: 04121 - 3800
Eine Koproduktion zwische dem Theater am Kirchplatz Schaan, Liechtenstein
und NORDTOUR Theater Medien
Minetti
Ein Portrait des Künstlers als alter Mann
von Thomas Bernhard
Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag
Inszenierung: Hajo Kurzenberger
Mit: Joachim Bliese als Minetti und zwei weiteren Darstellern
Wiederholungstournee
Tourneezeitraum: 10.2. 2012 bis 03.3. 2012
Zum Inhalt:
Minetti war der Inbegriff des Schauspielers schlechthin. Er hatte alle großen Rollen der Klassik gespielt. Er war der einzige Schauspieler, der in den Augen des österreichischen Autors Thomas Bernhard Gnade fand. Bernhard bewunderte ihn dermaßen, dass er Minetti 1977 ein gleichnamiges Stück auf den Leib schrieb. Ein Monolog, eine Abrechnung mit dem Theater, seinem Publikum und unserer Gesellschaft. „Das Leben ist eine Posse, die der Intelligente Existenz nennt“.
Bernhards „Konsequentismus“ wird in diesem Stück durch die Figur des alten „Bühnensensibilisten“ und „Geisteskünstlers“ Minetti personifiziert. Dieser trifft am Silvesterabend in einem Hotel in Oostende zu einer Verabredung mit dem Flensburger Schauspieldirektor ein, der ihn als Lear zu verpflichten beabsichtigt. Seit 30 Jahren lebt Minetti in freiwilliger „Einzelhaft“ bei seiner Schwester in Dinkelsbühl, ganz dem Studium der Shakespeareschen Rolle hingegeben, nachdem er als Theaterdirektor wegen seiner Weigerung, Klassiker zu spielen, von der Stadt Lübeck in einem Prozess seines Amtes enthoben worden war.
Während er in der Hotelhalle wartet, monologisiert Minetti in Anwesenheit einer still vor sich hin trinkenden Dame, hin und wieder irritiert durch lärmende Maskierte, über seine Berufsauffassung und sein Schicksal. C.F., in: Knaurs großer Schauspielführer
Kritiken:
….ein Höchstmaß an Sprachkultur… (Joachim Bliese) ….Annerkennung und Beifall waren am Ende mehr als verdient….. Lindauer Zeitung
….Uta Stammer und Andrea Gerhard fanden in Nagold genauso große Bewunderung und Beifall …….wie die Darstellung des alten Künstlers Minetti durch Joachim Bliese. Schwarzwälder Bote
Joachim Bliese
Sie sind im Laufe Ihrer über 50-jährigen Schauspielerkarriere in eine Fülle unterschiedlichster Charaktere geschlüpft. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für oder gegen eine Rolle?
Ich muss an die Menschen, die ich darzustellen habe, irgendwie rankommen können. Das heißt nicht, dass eine Figur mir sympathisch sein muss. Aber sie sollte Stärken und Schwächen haben. Als Musterbeispiel eines Schurken gilt Shakespeares „Richard III.“. Doch niemand ist nur gut oder nur böse, also auch diese Figur nicht. Als Schauspieler möchte ich beides darstellen können - die schönen wie die hässlichen Seiten eines Charakters.
Anfang der 90er Jahre verließen Sie das Berliner Schiller-Theater. Als freier Schauspieler haben Sie vor allem am Hamburger Ohnsorg-Theater eine künstlerische Heimat gefunden ...
Hamburg ist für meine Theaterarbeit überhaupt zu einem wichtigen Ort geworden. Ich war hier schon am Thalia Theater, an der Komödie Winterhuder Fährhaus, dem Ernst Deutsch Theater und an den Kammerspielen. Aber als Zentrum meiner Hamburger Tätigkeit hat sich jetzt das Ohnsorg- Theater herausgebildet. Es ist eine absolut professionell geführte Bühne, hier habe ich Regisseure und Kollegen gefunden, mit denen ich prima arbeiten kann. Wenn für ein gutes Stück die richtigen Partner zusammenkommen, macht es für mich keinen Unterschied, an welchem Haus ich auftrete.
Von einer schwierigen Rolle zur nächsten – denken Sie da zwischendurch mal an eine Pause?
Solange mir das Spielen so viel Freude macht, sehe ich keinen Anlass dazu. Theater ist doch etwas Wunderschönes. Karriere zum Beispiel interessiert mich überhaupt nicht mehr. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Was jedoch nicht heißt, dass es das Theaterspielen jetzt leichter macht. Je länger man dabei ist, desto mehr fällt einem auf, welche Grenzen man noch überwinden möchte. Dieser Beruf spornt einen dauernd an, Ansprüche an sich selbst zu stellen.
Brigitte Scholz
Hajo Kurzenberger
Hajo Kurzenberger promovierte 1972 in Heidelberg. 1973 wurde er bei Jürgen Flimm am Nationaltheater Mannheim Mitarbeiter der Regie. 1974 ging er als Dramaturg und Regisseur an die Städtische Bühne Heidelberg. Daneben erfüllte er Lehraufträge am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg für Dramaturgie und Theatertheorie. Seit dem Wintersemester 1980/81 ist Hajo Kurzenberger Professor für Theaterwissenschaft/Theaterpraxis in den Studiengängen Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis, Szenische Künste, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Daneben Tätigkeiten als Dramaturg am Schiller-Theater Berlin (Zusammenarbeit mit Friedrich Beyer),
am Schauspielhaus Hamburg (mit David Mouchtar-Samorai), am Züricher Theater Neumarkt und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (mit Jossi Wieler), als Dramaturg und Regisseur am Basler Theater (mit Stephan Müller), sowie als Autor und Dramaturg am Maxim Gorki-Theater in Berlin (Zusammenarbeit mit Stephan Müller).
Thomas Bernhard
Thomas Bernhard (1931-1989) stammt aus einer oberösterreichischen Familie, seine Kindheit verbrachte er in Seekirchen (Salzburg) bzw. Traunstein (Bayern) bei seinem Großvater, dem Schriftsteller Johannes Freumbichler. Dieser nahm maßgeblich auf die intellektuelle und musische Bildung Bernhards Einfluss. Ab 1942 besuchte Thomas Bernhard als Internatsschüler das Gymnasium in Salzburg, 1947 begann er eine kaufmännische Lehre; in diese Zeit fallen seine ersten dichterischen Versuche. Durch den Tod des Großvaters 1949 und den seiner Mutter im Jahr darauf geriet Bernhard in eine schwere Krise, eine Lungenkrankheit machte einen zweijährigen Sanatoriumsaufenthalt notwendig. Von 1952 bis 1957 studierte er Dramaturgie und Regie am Mozarteum in Salzburg sowie Musik an der Akademie in Wien, daneben war er als Bibliothekar und Gerichtsberichterstatter tätig und veröffentlichte Gedichte und Kurzprosa. Seit 1957 war Bernhard, der mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt wurde (1970 Büchner-Preis), als freier Schriftsteller tätig, er lebte zurückgezogen auf einem Bauernhof in Ohlsdorf (Oberösterreich).
C.F., in: Knaurs großer Schauspielführer
Das ‚Künstlerdrama’ Minetti
Thomas Bernhard hat seinem Stück „Minetti“ den Untertitel gegeben: „Ein Portrait des Künstlers als alter Mann“. „Minetti“ ist in der Tat das, was man früher ein Künstlerdrama genannt hätte, ist das Portrait eines alten Bühnenkünstlers, kein biographisches des Schauspielers Bernhard Minetti, der das Stück unter Peymanns Regie gespielt und uraufgeführt hat. Bernhards „Minetti“ ist eine Kunst – und Sprechfigur, die über sich, die Schauspielkunst und ihr Publikum redet und nachdenkt, palavert und lamentiert, klagt und Witze reißt – auf eigentümlich skurrile Weise. Zuerst lauschen eine Dame, dann ein junges Mädchen gelangweilt und später zunehmend interessiert und berührt dem Größen- und Verfolgungswahn des Zauber- und Bühnenkünstlers Minetti. „Minetti ist das Beweisstück für Bernhards Ästhetik des Beschwerdebuchs“ schrieb der Theaterkritiker Georg Hensel anlässlich der Uraufführung. „Minetti“ ist aber auch das Libretto für einen Schauspiel- und Sprechvirtuosen. Nicht zuletzt deshalb lohnt seine Wiederentdeckung. Hajo Kurzenberger